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Logistik » Horroridee „Containertunnel“ in Zahlen.
06Nov

Horroridee „Containertunnel“ in Zahlen.

Derzeit liegt der Containerumschlag des Hamburger Hafens bei etwa 9 Millionen Containern (auf Basis eines 20-ft-Standard-Container) pro Jahr. Würden die Hälfte davon über Containertunnel abfließen, wären das mehr als 5000 Container pro Tag in Rade. Ein Terminal für einen Tagesumschlag von rund 5000 Container würde nach grober Schätzung einen Flächenbedarf von 6-8 Hektar (inklusive Zwischenlagerung und Erweiterungsreserve) bedeuten. Herr Marnette spricht allerdings in der HAN-Ausgabe vom 22.10.2011 von einem „just-in-time“-Prinzip und einem dementsprechenden Flächenbedarf von lediglich 2 Hektar. Das erscheint jedoch angesichts der üblichen Unwägbarkeiten im Betrieb und Verkehr für völlig unrealistisch. In Frage käme für einen Terminal dieser Größe nur eine Fläche (ca. 400 m lang und 150 m breit) nördlich der A1 und westlich der K63.Dabei ist davon auszugehen, dass die Container lediglich in 4 Lagen gestapelt werden, was der derzeit zulässigen Gebäudehöhe (inkl. Rangierhöhe) entspräche. Dies dürfte also noch im Rahmen der Kompromissfähigkeit der SPD-Fraktion liegen. Die CDU- und UWG-Fraktion ist eh für alles zu haben,was Geld bringt und die Wirtschaft sich wünscht. Arbeitsplätze dürften angesichts notwendiger Alternativmaßnahmen keine Rolle spielen und waren in der Tat bisher auch kein Gegenstand der Betrachtung. Nebenbei bemerkt macht ein Tunnel nur Sinn, wenn er Transporte in beide Richtungen zulässt, denn Export-Weltmeister Deutschland muss seine Exportware ja schließlich auch außer Landes schaffen. Erstaunlich, dass Herr Marnette noch nicht auf diese naheliegende Überlegung gestoßen ist. Somit wären dies mindesten 8.000 Lkw-Bewegungen mehr pro Tag – unter der Annahme, dass auch etwaige andere Betriebe mit einem regen Lkw-Verkehr verbunden wären, nur eben nicht so intensiv. Diese zusätzlichen Lkw-Bewegungen bedeuten bei einem 24-Stunden-Betrieb etwa 300 Lkw pro Stunde, was einer Lkw-Schlange von über 7 km entspricht – pro Stunde wohlgemerkt. Diese 7-km-Lkw-Schlange verteilt sich dann mehr oder weniger ungleichmäßig auf 4 Auf- und Abfahrspuren zur A1, die B3 und jeweils eine Spur vom und zum Container-Terminal. Und dies ist nur der zusätzliche Lkw-Verkehr, der zu dem schon jetzt bei kaum vorhandener Bebauung und minimalem Betrieb immensen Verkehrsaufkommen hinzu käme. Eine volle Bebauung und das damit zu erwartende Verkehrsaufkommen dürfte die Kapazitäten der Zu- und Abwege vollends sprengen. Aber solange sich noch spitzfindige Gutachter, Verkehrs- und Lärmberechner sowie wirtschaftsfreundliche Umweltbehördler finden, die zu grenzwertwahrenden und akzeptablen Ergebnissen kommen, dürfte auch dies keine unüberwindliche Hürde darstellen. Damit sich ein 1,7 Milliarden teurer Containertunnel überhaupt amortisiert, dürften nach grober Schätzung die Transportgebühren wohl kaum unter 50 € liegen, für eine Fahrstrecke von gerade mal 25 km. Die Investitionskosten werden allerdings von kompetenter Seite schon jetzt auf fast doppelter Höhe geschätzt, was die Transportgebühren natürlich deutlich erhöhen würde. Hinzu kommen dann noch die Umschlagkosten und Wartezeiten. Somit dürfte der Tunneltransport die Transportunternehmen deutlich teurer kommen als der Lkw-Transport. Aber wenn Transporteure schon die Investitionskosten finanzieren sollen, dürften sie zwangsläufig auch die unrentablen Gebühren tragen, schließlich sparen sie ja etwas Mautgebühren und verhalten sich prestigeträchtig umweltfreundlich. Nun sind diese Zahlen natürlich nur das Ergebnis einer kurzen Internetrecherche und sicher sehr groben Berechnung, mal eben aus Interesse an der Sache in einer ruhigen Stunde vor dem Frühstück am Samstagmorgen. Dennoch wird deutlich, wer diese Pläne weiterverfolgt, dem dürfte es in erster Linie um Publicity gehen. Einer realistischen, kritischen Prüfung dürfte dieses Projekt kaum standhalten. Aber angesichts einer bisher äußerst flexiblen und zuvorkommenden Ratsmehrheit im Zusammenhang mit dem Habacker-Gewerbegebiet scheint wohl alles möglich, selbst eine Visitenkarte der Gemeinde an der A1 in Form von häßlichen Containerstapeln, die hinter der Abfahrt Richtung Norden alles andere als eine bürgerfreundliche, ansprechende Gemeindestruktur vermuten lässt. Tagtäglich würden sich Tausende vorbeifahrender Verkehrsteilnehmer fragen, welche Planer, Politikerinnen, Politiker und Behörden diesen Wahnsinn verbockt haben. Jeder Mensch mit einigermaßen gesundem Menschenverstand müsste sich doch nach relativ kurzer Bedenkzeit sagen – vergiss es! Mit CO2-Ersparnis lässt sich doch nicht alles rechtfertigen und mit Sicherheit geht das auch anders. Für die Grünen in Neu Wulmstorf steht deshalb schon jetzt fest, sich in jeder zulässigen Art und Weise gemeinsam mit den betroffenen und aufmerksamen Bürgerinnen und Bürgern diesem Wahnsinn zu widersetzen.

Michael Krause

Mitglied der Fraktion Bündnis 90 Die Grünen im Gemeinderat Neu Wulmstorf

 

Verfasst am 06.11.2011 um 18:07 Uhr von .
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