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19May

Die Qual der Wahl 2014

Bürgermeister, Landrat, EU – was denn nu?

Betrachtungen vom Ratsmitglied und Ortsverbandssprecher der Grünen in Neu Wulmstorf, Michael Krause Was die Europawahl anbelangt, bieten die grünen Ansätze gute Substanz. Die 12 Gründe bringen es gut auf den Punkt, auch ohne viel Wahlkampfgetöse und Plakatschlachten. In der Regel sind Grün-Wählerinnen und -Wähler auch außerhalb von Wahlen gut informiert und in ihrer Meinungsbildung differenziert, frei und unabhängig. Deshalb soll es an dieser Stelle dabei belassen sein. Auch beim Landratskandidaten war und ist SPD-Mann Thomas Grambow der Mann der Wahl, höchste Zeit im Kreis sozialere und ökologischere Wege zu beschreiten, auch das war früh klar und dürfte allen Interessierten mittlerweile bekannt sein.
      Interessanter ist es bei den Bürgermeisterkandidaten Wolf Rosenzweig und Matthias Weigmann. Erster augenfälliger Unterschied ist die Quantität der Printpräsentationen. Herausforderer Weigmann ist flächendeckend auf kleinen und großen Plakaten penetrant blau-grau-blütige stets präsent, mit freundlich-seriös-agilem Grinsen. Der souveräne Geschäftsmann folgt damit konsequent seinem geradezu klerikalen Amtsverständnis von Seite 5 seines „Glaubensbekenntnisses“ vom „politischen Oberhaupt der Gemeinde“ nach dem Motto - wer’s glaubt wird seelig!  
Herr Rosenzweig dagegen plakativ deutlich zurückhaltender, mit freundlich-offen-fröhlicher Blässe und eher lässig. CDU-Kandidat Weigmann dagegen protzt selbstbewußt unter anderem auf einer mehrseitiger Anzeige und mit einer umfänglichen Hochglanzbroschüre, die selbst einer Vorstellung der neuen S-Klasse von Mercedes zur Ehre gereichen würde.  
SPD-Kandidat Rosenzweig ist in den Printmedien eher punktuell positioniert und informiert prägnant mit einem überschaubaren dreiseitigen Faltblatt. Inhaltlich listet Herr Rosenzweig kurz und bündig auf 15 Gramm Papier, begleitet von ein paar persönlichen Anmerkungen und seinem Steckbrief, die Erfolge seiner bisherigen Amtszeit auf und verweist übersichtlich auf sein vorrangiges 10-Punkte-Programm. Die mit 133 Gramm gut 9-mal schwerere Hochglanzdrucksache des Unternehmers Weigmann ist mit 32 Seiten eine echte Herausforderung für die Geduld und Lesebereitschaft der interessierten Bürgerinnen und Bürger. Aber vielleicht spekuliert der „CDU-Frontmann“ ohnehin darauf, dass kaum jemand in den fast 8000 Haushalten sich alles durchliest, sondern das gewichtige Machwerk nach kurzem Überfliegen der Überschriften und vielleicht noch der Untertitel mit einem kurzen, anerkennenden „Donnerwetter!“ gleich in der blauen Tonne versenkt. Ratsmitglied Michael Krause hat sich allerdings als pflichtbewußter, langjährig im Rat ehrenamtlich tätiger politischer „Untertan“ die Mühe gemacht und kam zu folgendem Ergebnis:
Nach Herausfiltern von redaktionellem „Verpackungsmaterial“, trivalen Weisheiten, allgemein bekannten Fakten, bereits Vorhandenem und Angeschobenem, waghalsigen Spekulationen und fragwürdigen Annahmen bleiben bis auf ein paar ominöse Hirngespinste im wesentlichen auch nur die 10 Punkte des Herrn Rosenzweig übrig. Wobei die hirngespinstigen „dicken Brettern“ bzw. ambitionierten Ziele des Herrn Weigmann durchaus Unterhaltungswert und Phantasie besitzen. Da wäre zum Beispiel die von Herrn Weigmann in seiner Amtszeit zu errichtende omnipotente Unternehmensstammzelle „Kommunale Wohnungs- und Gewerbebaugesellschaft“, die politik- und verwaltungsseitig eskortiert und konditioniert, sich in einen alle Wünsche erfüllenden und alle Lücken schließenden Immobilienwirtschaftsbetrieb der Sonderklasse – kostengünstig, profitabel, unabhängig und wettbewerbsneutral - behutsam ausdifferenziert. Allein schon der Gedanke lässt wahrlich frohlocken und auf den einen oder anderen Posten spekulieren. Wer’s glaubt wird seelig! Sehr interessant auch das Leuchtturmprojekt „Berufsakademie“ – Lernwerkstätten gibt’s in Neu Wulmstorf ja schon. Aber was sollte um alles in der Welt Träger einer tertiären oder gar quartären Bildungseinrichtung nach Neu Wulmstorf locken können, außer den Überschätzungen eines Super-Bürgermeisters Weigmann. Warum nicht gleich eine Universität – wenn schon denn schon. Wer’s glaubt wird seelig! Dann wäre da noch das Medizinische Versorgungszentrum, kurz MVZ. Auch hier dürfte sich kaum ein Träger finden, den es geradezu magisch nach Neu Wulmstorf zieht - es sei denn, die Gemeinde übernimmt die Investition und den Verlustausgleich für die nächsten 10 Jahre. Und auch hier gilt - wer’s glaubt wird seelig! Abschließend vielleicht noch das Highlight „Innovations- und Gewerbepark“ – angelehnt an die kaum vergleichbaren Projekte in Harburg und Winsen. Auch diese Ideen und Konzepte sind nicht neu, aber ohne beträchtliche Fördermittel oder finanzkräftige, idealistische und ausdauernde Investoren nicht realisierbar. Die Schwerpunkte sind durch die WLH gesetzt und die haben schon jetzt Herrn Seyer und seine axiomisierte Angebotssteuerung „unsterblich“ gemacht. Kaum vorstellbar, dass er mit seinen 62 Jahren und in den vermutlich oder hoffentlich letzten 5 Jahren seiner Amtsszeit noch ein Faß (ohne Boden?) ausgerechnet in Neu Wulmstorf aufmachen wird. Allein schon die Standortfrage dürfte den WLH-Chef entgeistert zum Himmel schauen lassen. Aber vermutlich gibt’s genug CDU-Sponsoren und Fürsprecher, die sehr gern ihren Acker vergolden würden. Immerhin sprach Herr Weigmann in der Podiumsdiskussion des Buxtehuder Tageblatts am 12. Mai im Ratssaal neben neuen Gewerbeflächen für Kleingewerbe von für ihn akzeptablen 3.000 bis 5.000 zusätzlichen Bürgerinnen und Bürgern, je nach Zählart entsprechend 15-25 % Bevölkerungszuwachs in der Gemeinde, was in etwa der Gesamtfläche von Elstorf-Schwiederstorf entspricht. Wo dieser Zuwachs angesiedelt werden soll, ließ sich der Herausforderer verständlicherweise vom Moderator und Chefredakteur des Buxtehuder Tageblatts Herrn Wolfgang Stephan nicht entlocken, mit der Begründung, zu erwartende Grundstücksstreitereien und Spekulationen vermeiden zu wollen. Nur die ohnehin allen bekannte Waldsiedlung wurde erwähnt. Positiv fällt jedoch auf, dass Herr Weigmann offensichtlich auch ein Herz für die Wohnbedürfnisse der heranwachsenden Generation hat, vor dem Hintergrund eher schlanker Einkommen und stark limitierter Finanzausstattung - und vielleicht auch nicht ganz uneigennützig bei 4 schulpflichtigen Kindern. Freilich bleibt das Reizwort „sozialer“ oder - etwas verträglicher etikettiert „geförderter“ -  Wohnungsbau wohl mit Rücksicht auf ein paar „Sozialallergiker“ in den eigenen Reihen unerwähnt. Auch sein klares Bekenntnis zu direkter Demokratie und Bürgerentscheiden verdient seitens grüner Sichtweisen besondere Anerkennung. Beim Thema Bürgerentscheide hält sich sein Gegenpart Rosenzweig als "fundamentalistischer" Repräsentativ-Demokrat schon seit jeher vornehm zurück - beteiligen ja, aber entscheiden lieber nicht!
Daher sei an dieser Stelle auch klargestellt, dass im Ortsverband der Grünen in Neu Wulmstorf kein klares Votum für einen Favoriten zustande kam, wohl aber ein hauchdünner Sympathie-Vorsprung für Herrn Rosenzweig aufgrund seiner Positionen zum Tier- und Umweltschutz, zu Rad- und Fußwegen, seiner eher zurückhaltenden Entwichlungsdevise und der gelebten Bürgernähe, die zwangsläufig hier und da auch Reibungsverluste und Desensibilisierungen mit sich bringt. Nach wie vor bestehen Vorbehalte bei Ortsgrünen, unter anderem wegen des Gewerbegebiets Mienenbüttel, der Trinkwasserproblematik oder auch der Klage gegen kritische Bürger wegen allzu harscher und sicher grenzwertiger Kritik, die jedoch im Sande verleif und den Steuerzahler einen erheblichen Geldbetrag kostete. Diese Problemfelder basieren jedoch wie alle anderen weitreichenden Entscheidungen auf Mehrheitsbeschlüssen und dürfen einem Bürgermeister nicht zur Last gelegt werden. Es geht auch mehr um die Frage, wie damit umgegangen wird und inwieweit auch Lernprozesse zu beobachten sind. Die Mega-Logistik-Hallen und den Rasthof mit all seinem Verkehr, den Abgasen und Schallreflexionen in Mienenbüttel und Umgebung als nicht störend zu bezeichnen, ist schon mehr als befremdlich - laut Zitat im RUF von 17.5. aus einer Podiumsdiskussion im Gymnasium Neu Wulmstorf. Die Jack-Wolfskin-Hallen mit ähnlicher Problematik und die Zwangsumsiedlung der Kleingärtner werden einfach ausgeklammert. Da gibt es schon ein paar Hypotheken in der Vita des amtierenden Bürgermeisters, die das Bild trüben, je nach Grad der Betroffenheit. Das kann und darf in der Retrospektive nicht ignoriert werden. Insofern ist hier nur die persönliche Meinung von Ratsmitglied Michael Krause wiedergegeben, mit der herzlichen Aufforderung, diese gegebenenfalls mit eigenen Statemants an dieser Stelle mittels Kommentarfunktion zu konterkarieren oder zu relativieren. Sein Fazit – frei nach Herbert Grönemeyer:
Womit hat Neu Wulmstorf das verdient,
dass Herr Weigmann uns überall angrient?
Warum hat man uns nicht wenigstens gewarnt?
Zu etwas verworrener Pracht
hätt ich bestimmt nichts gesagt.
Hätt mich zwar etwas pikiert,
aber hätt’s sicher noch akzeptiert.
Aber er hat ja gleich auf Riese gemacht.
Manch einen lässt man mit seinem Problem allein
aber Herr Weigmann muß es nun wirklich nicht sein. Wie man an einen solchen Schmarn
seine Stimme einfach verschleudern kann -
 
... was soll das!
     
Verfasst am 19.05.2014 um 15:12 Uhr von .
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Kommentare

  1. Sabine Brauer23. Mai 2014

    NUR MAL SO ….
    Notizen zur Bürgermeisterwahl am 25. Mai in Neu Wulmstorf:

    Im Rahmen des Wahl-Talk des Buxtehuder Tageblattes vom 12. Mai 2014 fragte der Chefredakteur Wolfgang Stephan die beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt, Matthias Weigmann (CDU) und den amtierenden Bürgermeister Wolf Rosenzweig (SPD), nach Ihrer Einstellung zu Tierversuchen, dem in der Gemeinde befindlichen Tierversuchslabor des LPT in Mienenbüttel und den Auseinandersetzungen um dieses Thema in der Gemeinde.

    Als erster antwortete Matthias Weigmann sinngemäß: Tierversuche wären legal, per Gesetz vorgegeben und erlaubt, würden Kontrollen unterliegen und somit würde das LPT nichts Verbotenes tun. Ein Protest dagegen wäre seiner Meinung nach weder angebracht, noch sinnvoll. Es wären ganz andere Wege zu beschreiten, um zielführende Ergebnisse zu erhalten.

    Den letzten Bemerkungen widersprach Wolf Rosenzweig energisch, indem er deutlich machte, dass seine Versuche das TV-Labor einmal zu “besuchen” seit Jahren abgeblockt würden, dass nur durch das Niedersächsische Hundegesetz inzwischen die Möglichkeit existiere, dessen Einhaltung vorort zu kontrollieren. Außerdem äußerte er sich äußerst anerkennend über die Aktivitäten unserer Initiative zur Öffentlichkeitsaufklärung (Informationsveranstaltungen mit renommierten Fachreferenten, Pressearbeit, politische Arbeit, Internetauftritte und Info-Stände), über die auch er sich einen anderen Einblick in das Thema habe verschaffen können. So sähe er Tierversuche inzwischen auch nicht mehr so unkritisch. Es gäbe bestimmt viele Versuche, auf die heute verzichtet werden könne.

    Diese Antworten spiegeln die aktuelle Haltung von CDU und SPD in Neu Wulmstorf zum Thema Tierversuche wider.

    Die SPD und der amtierende Bürgermeister Rosenzweig haben sich frühzeitig mit unserem Anliegen auseinandergesetzt und informiert. Inzwischen unterstützt die SPD zusammen mit den Grünen unsere Arbeit z. B. mit gemeinsamen Informationsveranstaltungen.

    Die CDU zeigt bisher – trotz persönlicher Einladungen zu Veranstaltungen und anderer Informationen – keinerlei Interesse an dem Thema oder unserer Arbeit für die Tiere.
    Letzteres zeigte heute Herr Weigmann noch einmal persönlich, als er mit einem Image-Wahl-Flyer an unserer Gartenpforte für seine Wahl am Sonntag werben wollte. Den Eindruck, den Herr Weigmann am 12. Mai bei uns hinterlassen hatte, bestätigte er, indem er auf seinen Beitrag angesprochen, noch einmal bekundete, er hätte eben eine andere Meinung. Außerdem wäre es sinnlos, von hier aus etwas anschieben zu wollen. Danach hatte er es sehr eilig, seine Flyer in der Nachbarschaft zu verteilen.

    Die Art der Stellungnahme und des Inhaltes zeigte deutlich, dass dieses Thema nicht auf der Agenda von Herrn Weigmann steht, jedenfalls noch nicht! 😉

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  2. Sabine Brauer19. Mai 2014

    Kabarettreif auf den Punkt gebracht! 😀

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